Es kommt der Herbst

ein Flugbericht über einen Spätsommerausflug von Wolfgang Oppelmayer.

Es kommt der Herbst, die Blätter fallen, der Altweibersommer zieht ins Land. Es ist wieder Zeit einen Herbstausflug zu planen. So wie alle Jahre gegen Ende August werden die Telefongespräche häufiger und die Ziele werden ins Auge gefasst. Wohin soll es heuer  gehen.

Die Akteure, Georg Pantuceck, Wolfgang Oppelmayer beide LOAS. Andy Binder LOGL.
Flugzeug: OE-DEC unsere Cessna 210 eine reife alte Dame Baujahr 1960 mit neuem Motor.

Ursprünglich wollten wir nach Marakesch, es waren aber nur 7 Tage für alle drei zum gleichen Termin möglich, also Marakesch fällt aus. Abhängig vom Wetter haben wir drei Runden geplant. Nach Norden bis nach Estland, Nach Osten bis nach Istanbul, nach Süden bis nach Malta. Wir entschieden uns für Istanbul.

Startpunkt Flugsportzentrum Spitzerberg (LOAS).  Erstes Ziel Bulgarien (Burgas LBBG) mit einer Zwischenlandung zum Tanken in Serbien (Belgrad LYBE). Von dort in die Türkei (Istanbul Sabiha Gökcen LTFJ). Rückflug  über Griechenland (Megas Alexandros LGKV der Flughafen von Kavalla) hier wollten wir die Insel Tassos erkunden. Weiter über Makedonien (Skopie LWSK) nach Österreich.

Es wurden zehn Länder überflogen. Für Rumänien und Bulgarien sind Ein und Durchfluggenehmigungen erforderlich. Die in den Entry Requirements des Jeppesen angegebenen Telefonnummern waren hilfreich und nach zwei Telefongesprächen mit den zuständigen Stellen wurden die Daten per Fax abgeschickt. Aus Bulgarien war die Antwort in einer halben Stunde eingetroffen. Aus Rumänen kam das Ok innerhalb von 4 Stunden.

Als Kartenmaterial war neben den Jeppesen Unterlagen noch die ONC Karten F3 A,B,C,D, die Sichtflugkarten für Kroatien und Slovenien an Board. In diese Karten wurden die geplanten Strecken eingezeichnet und die Streckenfunkfeuer markiert. Die Verfügbarkeit von Flugbenzin wurde aus den Airport Directory des Jeppesen entnommen, die, wie sich herausstellte, auch richtig waren.

Die letzte Woche vor dem Abflug wurde das Wetter im Internet auf Wetterzentrale.de täglich beobachtet und die Entscheidung für den Osten getroffen.

Sonntag den 23.09 ging es los. Die Flugpläne für die Flüge von Turnau LOGL nach Belgrad LYBE und von dort nach Burgas LBBG wurden schon am Tag vorher über das Internett aufgegeben. Aber Andy Binder aus dem Nebel in Turnau herauszuholen war nicht so einfach. Nach der Info, dass man schon vom Flugplatz den Kirchturm von Turnau sieht und am Pretalsattel die Sonne scheint starteten wir für den 30 Minutenflug vom Spitzerberg nach Turnau, dort hatte sich die Nebeldecke bei unserer Ankunft so weit gehoben das wir darunter schlüpfen konnten. Tanken, Zollabfertigung durch die örtliche Polizei, Abflug. Alles war in 20 Minuten erledigt. Der Nebel hatte sich aufgelöst.

Bei strahlendem Herbstwetter ging es über eine etwas nördlichere Strecke wie im Vorjahr (wir flogen nach Griechenland) über Ungarn quer über den Plattensee nach Belgrad. Hinter einem Airbus wurden wir nach einer Flugzeit von etwas weniger als zwei Stunden zur Landung freigegeben. Die Reisegeschwindigkeit lag bei 150 kt.  Belgrad ist als Landeplatz zum Tanken wirklich empfehlenswert. Das Avgas kostet pro Liter € 1,20 die Abfertigung ist schnell möglich und die Landegebühr mit € 28.- für unsere Verhältnisse günstig.

Um 14:50 genau zur geplanten Abflugzeit hoben wir Richtung Rumänische Grenze ab. Der Flug führte wieder über die Donau. Das Eiserne Tor konnten wir hervorragend sehen. Es ist unglaublich wie eng sich der Fluss zusammenpresst. Die von der Schifffahrt durch Jahrtausende gefürchtete Strömung an dieser Stelle ist durch einen Stausee entschärft, imposant ist der Anblick aber noch immer.
Bei der Stadt Ruß wurde die Rumänisch-Bulgarische Grenze überflogen. Die Römer nach Nordosten, später  die Kreutzritter um 1200 nach Osten und einige hundert Jahre später die Türken Richtung Wien haben in Fußmärschen oder zu Pferd schon einiges auf sich genommen um ihre Ziele zu erreichen.

 Mit dem Sinkflug haben wir etwas zu spät begonnen, so konnten wir zum Abbauen der Höhe einen schönen Rundflug über die Bucht von Burgas durchführen. Mit einer Flugzeit von 2:49 waren wir in Anbetracht des Ablugverfahren’s in Belgrad Richtung Westen für die 378 NM gut bedient.

Die Bulgaren sind freundlich und hilfsbereit und wie wir am nächsten Tag feststellen mussten nicht billig. In Burgas standen zwei F - registrierte MCR 01. Das Abfertigungspersonal des Flughafens empfahl uns ein sehr schönes neues Hotel ganz in der Nähe. Die Einreiseformalitäten waren schnell erledigt und wir wurden vom Sohn der Hotelbesitzer direkt vom Flughafen abgeholt. Die günstigen Hotelkosten wogen die teuren Landegebühren bei weitem auf.

Am Montag trafen wir am Flugplatz im AIS Büro die Besatzungen der beiden MCR  01 mit dem französischen Kennzeichen. Es handelte sich um Italiener aus Bozen. Die Flugzeuge waren als Experimental zugelassen. Der Beamte wollte die Flugpläne der Italiener mit der Begründung nicht annehmen, dass man für den Einflug in die Türkei eine Einflugerlaubnis benötigt. Wir waren überrascht, denn nach unseren Unterlagen war eine Einflugerlaubnis für Flugzeuge unter 12 Sitzplätzen nicht notwendig wenn die Maschinen in einem Mitgliedsland der ECAC registriert sind. Es begann eine Telefonsession mit der Behörde in Ankara. Nach langem hin und her wurde ein Ansprechpartner gefunden und über Fax die notwendigen Daten übermittelt. Eine Antwort kam für unser Kennzeichen nicht aber für die F registrierten wurde um die Nachreichung des Operators der Maschinen und die Telefonnummer gebeten. Diese Nachricht kam über AFTN das weltweite Nachrichtennetz der Flugsicherung. So konnten wir erkennen, dass die zuständige Stelle auch unsere Anfrage erhalten hatte. Da über unser Kennzeichen keine Nachfrage kam nahmen wir an das der Einflug in Ordnung ging. So war es dann auch. Einzige Auflage, der Flugplan musste 3 Stunden vor Abflug aufgegeben werden. Aus der türkischen AIP wurde noch die Sichtanflugkarte für Istanbul kopiert.

Sichtflug nach Istanbul, nach dem Start rechts an Burgas vorbei Richtung Einflugpunkt in den Türkischen Luftraum bei VADEN und von dort nach FENER. Nach dem Einflug in den türkischen Luftraum kam keine Funkverbindung mit Istanbul APP zustande, aber eine perfekte mit Sofia INFO. Die schlechte Verbindung mit Istanbul wurde uns von Sofia vorhergesagt. Als wir auf 40 Meilen an unser Ziel herangekommen waren hatten wir auch Verbindung mit Atatürk APP. Wir wurden von der gegenwärtigen Position in oder unter 1500 ft. direkt zu unseren Zielflugplatz Sabiha Gökcen LTFJ freigegeben. Der Kurs führte geradewegs über Istanbul 500 Meter nördlich vom Goldenen Horn zwischen den Minaretten hindurch über den Bosporus an der asiatischen Küste des Marmarameeres entlang zum Zielflugplatz.  Flugzeit 1:10 für 144 NM. Hier standen schon die beiden MCR 01. Uns erwartete ein neuer ganz und gar nicht orientalisch aussehender Flughafen mit freundlichem Personal. Die Einreiseformalitäten waren rasch erledigt und mit einem Bus, der den Flughafen mit dem Taksimplatz im Zentrum von Istanbul verband, reisten wir (Fahrzeit 1 Stunde) in den Orient. Im Exelsior wurde Quartier genommen und die Stadt erfühlt.
In einem Beisl, nur türkische Besucher, Abendessen für drei mit Wasser und Brot, Hühner und Rindfleisch, sowie Tee nach türkischer Art. Alles für 20 Euro, hier erlebten wir die türkische Gastronomie nach ihrer besten Art. Am nächsten Tag am Goldenen Horn, ein schönes Lokal, um das dreifache teurer, von ihrer schlechteren.

Eine Bustour durch das historische Altstadtviertel mit seiner 21 Km langen Stadtmauer am nächsten Tag war ein Erlebnis. Wir besuchten die blaue Moschee, die Agia Sofia und das älteste Archeologische Museum Europas. Richard Löwenherz hat in der Agia Sofia geheiratet. Die Kreutzritter die Stadt erobert. Zu Fuß gingen wir durch den Stadtteil Sirkeci über die Galatabrücke denn Hafen entlang durch die Ortsteile Galata und Galatasaray wieder zum Taksimplatz. In der Fußgängerzone der Istiklal Caddesi vergisst man den Orient, man könnte genau so gut in Paris oder Rom sein. Die Geschäfte, die Kleidung der Leute und ihr Aussehen passen überall hin.

Eine Taxifahrt am Mittwoch mit einem Fahrer so um die 60 lehrte uns das fürchten. Er raste mit 160 mit seinem gelben Gefährt über die Stadtautobahn. Wir waren froh als wir am Flughafen ankamen. Hier das übliche, Sicherheitskontrolle, wir mussten warten bis ein Türkischer Admiral seinen Empfang zelebriert hatte. Der Handling Agent brachte uns zum Büro für die Wetterinfo, die Flugplanaufgabe sowie für die Bezahlung der Landegebühr. Alles ein Großraumbüro. Die Gebühren waren mit € 160.- ganz schön heftig. Danach tanken, € 2,5.- für den Liter. Mit einer Rechtsplatzrunde ging es hinaus auf das Marmarameer.

Bei bester Sicht und leichten Gegenwind führte der Flug am Mittwoch nach Westen. Südlich vom Atatürk Airport vorbei über Tekirdag EKI zur Grenze zwischen dem europäischen Teil der Türkei beim Meldepunkt GOLDO nach Griechenland. In Sichtweite (5Meilen östlich) unseres Zielflughafens Megas Alexandros LGKV mussten wir  bei 30 Km Sicht und keinem Verkehr 10 Minuten Holding fliegen um eine Piper bei der Landung nicht zu stören. Auf diesem Platz gibt es kein AVGAS. Flugzeit 1:58 für 249 NM.

Der Empfang war freundlich, neben unserer Parkposition war ein Hangar mit  einer Werft. Da kein AVGAS vorhanden war gab es hier nur DIAMOND Flugzeuge. An einer DA42 wurden gerade die Motoren gewechselt.

Der Betriebsleiter ist hier für alles zuständig. Er brachte uns vom Flugzeug zu seinem Büro, wo, wie in Griechenland üblich, die General Deklaration ausgefüllt werden muss. Die Einreise war mit einer Passkontrolle schnell erledigt und nachdem unser Taschen und wir einer Sicherheitskontrolle unterzogen waren, konnten wir ein Taxi zum Hafen besteigen.

Die Insel Tassos ist sehenswert und eine ganz grüne Insel. Sie hat keinen Flugplatz, die Fahrt mit der Fähre dauert 40 Minuten. Für mich ist es die sauberste griechische Insel. Mit einem Mietauto erkundeten wir sie am nächsten Tag. Die Strände in den Buchten sind aus Marmorsand und weiß wie in der Karibik. Als Urlaubsort für die Familie besonders geeignet. Kein Hotel darf mehr als drei Stockwerke haben. So blieb der griechische Charakter voll erhalten. Die Ausgrabungen der antiken Stadt Tassos sind sehenswert.

Am Freitag ging es wieder mit der Fähre aufs Festland  und mit dem Taxi zum Flughafen. Sicherheitskontrolle, Flugplanaufgabe und Bezahlung der Landegebühr (€ 28.-) waren rasch erledigt. Bei bestem Wetter ging es weiter nach Skopie LWSK. Dort nach einem Flug von 1:10 angekommen trafen wir wieder unsere MCR 01 mit den Bozenern. Sie waren von Istanbul nach Samos geflogen, hatten uns am Mittwoch noch in Istanbul starten gesehen. Danach flogen sie von Samos nach Saloniki. Sie hatten vor von Skopie nach Tirana zu fliegen und auch eine Einflugerlaubnis für diesen Flug.
Wir wollten weiter nach Turnau-Lanzen. Aber nach einem Wetterbriefing, Gewitter auf unserer Strecke entschieden wir uns für eine Übernachtung. Für den Samstag war gutes Flugwetter vorhergesagt.

Mit dem Taxi ging es in die Stadt. Im Balkanhotel wurde einquartiert. Eine Stadterkundung führte uns in den Basar von Skopie. Hier waren wir im richtigen Orient angekommen. Der Basar hatte anscheinend das gewaltige Erdbeben im Jahr 1963 überstanden. Ein Gewirr von Gassen und Marktständen, umgeben von Moschen und den dazugehörenden Gesang der Muezine, gemischt mit Gerüchen von Obst Gewürzen Fleisch und Gemüse. Dazu Frauen mit Kopftüchern und bodenlangen Gewändern aus Jeansstoff. Sogar eine Karawansei war voll funktionstüchtig vorhanden. Das Abendessen hier in einem Lokal war gut und preiswert. Danach gingen wir in die moderne Einkaufsmeile so a la Shoppingcity. Hier alles westlich und wie bei den Türken in der Fußgängerzone.

Ein wunderschöner ruhiger Flug brachte uns am Samstag über Makedonien, Serbien, Bosnien, Kroatien, Slowenien nach Österreich. Sichten um die 30 Kilometer 1/8 Cu leichter Gegenwind Reisegeschwindigkeit 120 Knoten. Nach 3:45 waren die 470 NM unter uns durchgezogen. Landung in Turnau um den Andi abzuliefern, tanken und 30 Minuten zum Spitzerberg.

Eine etwas erweiterte Platzrunde, Gesamtflugzeit  13:40 schön war’s.